Filze aller Art
Als ich vor kurzem durch die Dienerstraße in der Münchner Innenstadt lief, blieb eine Frau vor mir so abrupt stehen, daß ihre Freundinnen unweigerlich mit ihr zusammen bummsten.
Ihr Gesicht war verzückt und ihre Stimme überschlug sich fast, als sie rief : „Uiiii! Filze aller Art!!!“
Ich war völlig überrascht und bin mir ziemlich sicher, daß die Freundinnen sowas ähnliches wie „Wowee!“ oder „Juchuuu!“ riefen.
Auf jeden Fall waren sie glücklich und begeistert.
Das Geschäft mit den bunten Filzstoffen gibt es schon seit fast 150 Jahren in den Rathausarkaden.
Wenn ich nicht tatsächlich ein spezielles Filzstück benötige, passiere ich den Laden relativ gleichgültig.
Und selbst, wenn ich dort einkaufe, tue ich das weitestgehend emotionslos.
Den Schriftzug „Filze aller Art“ auf dem Schaufenster habe ich wohl schon so oft gesehen, daß ich ihn nicht mehr wahrnehme.
Die überglückliche Frauenrunde, die jetzt aufgeregt in den kleinen Laden purzelte, änderte mit einem Schlag meine Sicht auf die Dinge.
Erst einmal - wie schön ist es, sich über die vermeintlich kleinen Dinge zu freuen?
Und ist ein Traditionsgeschäft, das zudem noch auf ein Traditionshandwerk zurückgreift, nicht tatsächlich mehr, als eine Kleinigkeit?
In einer Welt, in der Vereinheitlichung und Kostenoptimierung die individuellen Lädchen wegschrumpft, ist Johanna Daimers Laden womöglich eine Kostbarkeit.
Die enthusiastischen Frauen, die ich kurz ein bisschen belustigt beobachtet habe, haben mir einen Spiegel in Sachen Achtsamkeit vorgehalten.
Wenn ich inzwischen vom Marienplatz zum Odeonsplatz laufe, freue ich mich jedes Mal selbst ein bisschen, daß ich, wann immer ich möchte, Filze aller Art kaufen kann.
Ein Grund mehr, hier ein paar besonders wertvolle Exemplare kleiner Münchner Spezialgeschäfte zu empfehlen:

