Editorial Gabriele Kreuter / Christoph Kreuter Editorial Gabriele Kreuter / Christoph Kreuter

Künstliche Intelligenz mit rheinischer Höflichkeit 

Zum Jahreswechsel 2025 auf 2026 hat Google sich ein Geschenk für seine zahlreichen Nutzer ausgedacht.

Ganz weit vorne sollen von nun an nicht mehr die Seiten erscheinen, die mit Hilfe von künstlicher Intelligenz auf die gängigsten Suchworte getrimmt wurden und deren Inhalt aus generischen Listen und Plattitüden bestehen.

Stattdessen will die Suchmaschine jene Seiten bevorzugen, die klar von Menschen verfasst wurden, die echte Expertise besitzen und einzigartige und tatsächlich selbst erlebte Dinge präsentieren.

Und so prüft eine künstliche Intelligenz gerade, ob unsere Texte für eine künstliche Intelligenz nicht nach künstlicher Intelligenz klingen. Der Gedanke macht mich fast ein wenig schwindelig.

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Harmloser Morgenmuffel

Der Geruch von Toast und Kaffee löst bei mir ein unglaublich wohliges Gefühl aus.

Er enthält das Versprechen, daß dieser Tag gut starten wird. Das war schon immer so.

Als Kind bettelte ich meine Eltern so lange an, vom Kaffee probieren zu dürfen, bis sie schwach wurden und mich einmal nippen ließen. Die Enttäuschung war riesig.

Bitter und herb schmeckte er mir und ich rührte ein ganzes Jahrzehnt keinen Kaffee mehr an.

Ich glaube noch heute zu spüren, wie zufrieden meine Eltern mit ihrem Erziehungserfolg waren.

Das war  bevor Barista in Hosenträgern Latte Art zauberten, bevor wir aus fünf verschiedenen Milchsorten zum Kaffee wählen konnten oder in hippen Vierteln kleine Röstereien in Hinterhöfen aus dem Boden schossen.

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Das Magerquarkdelikt

Im Supermarkt flitze ich eher selten mit ausgeklügelter Einkaufsliste zielstrebig von Regal zu Regal.

Oft trödel ich versonnen durch die Reihen auf der Suche nach Inspiration.

Der Einkaufswagen des hageren Marathonläufers - Tofu, Magerquark und fast bedenklich viele Eier- fällt mir darum schnell ins Auge.

Er erinnert mich an die Geschichte, die ein Freund vor kurzem erzählte.

In seinem Büro bat ein Mitarbeiter eindringlich um ein Gespräch unter vier Augen.

Da der Mitarbeiter wohl nicht mit seinem  direkten Vorgesetzten sprechen wollte und auch dessen Chef übersprungen hatte, um sich gleich an ihn, den Chef vom Chef zu wenden, nahm unser Freund die Anfrage sehr ernst.

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Toleranz fängt bei Laktose an

„Habt Ihr auch was glutenfreies? Also keine Milch?“

„Meinst Du etwas laktosefreies?“

„Am liebsten vegan.“

„Da hätten wir natürlich den Obstsalat, oder einige der Sandwiches, die wir auch vegan zubereiten können, Bagel mit…“

„Dann nehme ich das Rührei.“

„Ah. OK. Ich hatte verstanden, Du möchtest etwas veganes.“

„Nein, nur glutenfrei. Da sage ich immer vegan.“

„Dann lassen wir den Toast zum Rührei einfach weg, damit es glutenfrei ist, ok?“

„Nein, nicht nötig. Toast geht.“

Weit gefehlt, wer jetzt glaubt, dieses Gespräch sei frei erfunden.

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Schneewittchen und das Baureferat

Das Ende der Neunziger lag längst hinter uns und der Enthusiasmus der Jahrtausendwende war verblasst.

Ich hatte mein Architekturstudium an der Technischen Universität München abgeschlossen und die Buffalo Plateaus zusammen mit den knappen Hüftjeans auf dem Speicher verstaut.

Trotzdem wollte ich mit Ende Zwanzig nicht in den schwarzen Rollkragenpulli der Architektengilde schlüpfen.

Die kreative Energie meines Studiums verpuffte im staubigen Alltag der Büros mit lästigen Haftungensandrohungen und langweiligen staatlichen Vorgaben und ich wollte mich einfach nicht so recht dafür begeistern, als Architektin mit dem Bauamt zu streiten.

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