Harmloser Morgenmuffel

Schwarzweißaufnahme eines Gesichts, das halb unter einer weißen Bettdecke hervorschaut, mit unordentlichen Haaren auf einem Kissen.

Der Geruch von Toast und Kaffee löst bei mir ein unglaublich wohliges Gefühl aus.

Er enthält das Versprechen, daß dieser Tag gut starten wird.

Das war schon immer so.

Als Kind bettelte ich meine Eltern so lange an, vom Kaffee probieren zu dürfen, bis sie schwach wurden und mich einmal nippen ließen.

Die Enttäuschung war riesig.

Bitter und herb schmeckte er mir und ich rührte ein ganzes Jahrzehnt keinen Kaffee mehr an.

Ich glaube noch heute zu spüren, wie zufrieden meine Eltern mit ihrem Erziehungserfolg waren.

Das war  bevor Barista in Hosenträgern Latte Art zauberten, bevor wir aus fünf verschiedenen Milchsorten zum Kaffee wählen konnten oder in hippen Vierteln kleine Röstereien in Hinterhöfen aus dem Boden schossen.

Was sich in all den Jahren nie verändert hat, ist meine Liebe zum Kaffeeduft.

Ich gehöre zu den glücklichen Menschen, die morgens liebevoll eine Tasse Kaffee gereicht bekommen, wenn sie die Augen aufschlagen.

In Paris gibt es seit 1914 „ La course des cafés“ -  ein Lauf, bei dem Kellnerinnen und Kellner um die Wette Tabletts mit einem Kaffee, einem Glas Wasser und einem Croissant über eine Strecke von vier Kilometer von und zum Hôtel de Ville in möglichst kurzer Zeit balancieren.

Auf der ganzen Welt von Washington bis Hongkong wurde die Idee übernommen, um den Beruf des Kellnerns zu feiern und zu ehren.

Ich liebe den Gedanken denjenigen zu würdigen, der den Kaffee überbringt - ist es doch jeden Morgen mein größtes Glück die dampfende Tasse zu übernehmen.

Oft erreicht mich aber der Duft schon vor der Tasse und das warme Gefühl, das ich damit verbinde, holt mich sanft aus dem Schlaf.

Vielleicht steckt auch ein ganz kleines bisschen Selbstschutz hinter der fürsorglichen Geste meines Mannes - denn das verknautschte, unansprechbare Wesen, das er ohne Kaffee im Bett vorfindet ist wie das düstere Pendant im Upside Down (aus Stranger Things) zu der recht verträglichen Person, die ich mit dem ersten Schluck Kaffee werde.

Schwarzer Filterkaffee, kräftiger Espresso oder cremiger Cappuccino - einen duftenden Kaffee in der Hand zu halten ist einfach wunderbar. Da gelingt es eigentlich immer, den Morgenmuffel in die Flucht zu schlagen.

Wer für den ersten Kaffee freiwillig oder unfreiwillig aus dem Haus geht, findet hier unsere liebsten Orte jenseits des Bettchens.

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