Empfehlung an die Frau Gemahlin

 
Ein aufgeschlagenes Notizbuch mit handschriftlichen Einträgen zur Fleckenentfernung und Haushaltsführung liegt auf einer Holzoberfläche. Daneben befindet sich ein geschlossenes, blaues Buch mit der weißen Aufschrift „INTERNATIONALES HAUSHALTSKOLLEG“.

Am internationalen Haushaltskolleg lernte meine Mutter in den 60er Jahren alles, was von einer guten Hausfrau erwartet wurde.

In leuchtend blauen A 5 Ringbüchern blättere ich heute durch leicht vergilbte Seiten mit ihrer Handschrift und lese Überschriften wie „Wäsche Aussteuer“ und  „Das Putzen“ oder „Das Flicken“.

Schon bei der Wäscheaussteuer muss ich einsehen, daß ich nicht habe, was es zur perfekten Hausfrau braucht - 6 bis 24 Waschlappen (seinerzeit für 1,50  Deutsche Mark zu haben) fehlen bei mir ebenso wie die Bohnermaschine, die im Kapitel „Das Putzen“ als unabdinglich angeführt wird.

„Das Flicken“ würde ich tatsächlich gerne besser beherrschen, wie ich jedesmal denke, wenn ich mit einem meiner Lieblingsteile irgendwo hängen geblieben bin.

Immerhin scheint es nicht zu spät zu sein zu lernen, daß Eigelb einfach abgekratzt werden darf, während Eiweißflecken mit kaltem Wasser zu entfernen sind.

Für Tinten- oder Rostflecken wird im Ordner der Tintenteufel beziehungsweise der Rostteufel empfohlen - wie praktisch.

Dem Kapitel „Cocktailparty“ fühle ich mich schon deutlich näher.

Tatsächlich sehe ich aber schnell, daß ich ratzfatz in die Falle „Anreden“ getappt wäre - zumindest, wenn sich unter meinen Gästen verschiedene Honoratioren befänden.

Herr Bundespräsident, Herr Bundeskanzler, Herr Bundesminister…heißt es im blauen Ordner. 

Und über drei Seiten geht es weiter mit den Herren - über Herr Regierungsrat und Herr Militärattaché bis Herr Generaldirektor und Herr Doktor… 

Ich stelle mir meine verzweifelte Wortsuche vor, wenn als Überraschungsgast FRAU Merkel (die ja wieder Zeit hätte) auf meiner Cocktailparty erschiene.

Völlig alleine gelassen werde ich vom Internationalen Haushaltskolleg damit, ob „Frau Bundeskanzlerin“ zulässig ist und ob Angela Merkels Doktortitel, „Frau Doktor“, noch irgendwo dazwischen passt oder einfach unter den Tisch fiele.

Zuletzt werden Frauen im Thema Anrede dann aber dann doch noch bedacht - nämlich als „Ehrwürdige Schwester“ und „Ehrwürdige Mutter“.

Ob die allerdings zu meiner kleinen Party kommen würden?!?

Zum Thema „Kosmetik“ gibt es 1 1/2 Seiten.

Make-up zuerst  auf die Hände geben und dann im Gesicht verreiben - sonst wird es fleckig.

Künstliche Wimpern am Abend reinigen und auf einen Bleistift aufrollen…

Zum Thema „Auto tanken“ gibt es nichts.

Zum Thema „Auto fahren“ erst recht nicht.

Darum sollte es mich vielleicht nicht wundern, daß ein Freund, dem wir unser Auto geliehen hatten, extra meinen Mann sprechen wollte, um zu fragen, was in unseren Tank gehört.

Wir hatten vorher schon ein Weilchen telefoniert und ich war überrascht, daß er die Frage nicht einfach mir gestellt hatte.

Aber gut - „Ich verbleibe, sehr geehrter Herr Professor, mit der Bitte um Empfehlung an die Frau Gemahlin.“  - so will es wohl die Etikette.

Das bringt mich zum Kapitel  „Das Einmotten“.

Lavendelblüten und Seidenpapier werden für die einzumottenden Stücke im wesentlichen empfohlen.

Das klingt hübsch. Und ich stelle mir vor, wie schön es wäre, wenn wir all die Klischees über Frauen und Männer in Seidenpapier schlagen und ganz weit hinten im Schrank verstauen könnten - so weit, daß wir sie vielleicht einfach dort vergessen.

Bis dahin sind hier einige unserer liebsten von Frauen geführten Geschäfte:

Sanchez Kopenhagen 

Ferm Kopenhagen

Blumen die leben München

Sama Sama München

Marta & Paul Berlin

Esther Perbandt Berlin

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The Sparrow - kleines Stadthotel beim Humlegården